Ein Monat zuckerfrei – ein Experiment

Es ist Februar. Der Januar ist rum. Laut dem asiatischen Mondkalender ist heute sogar der erste Tag des neuen Jahres. Daher wollte ich mir die Zeit nehmen, um euch von meinem „zuckerfrei“-Projekt zu erzählen. Denn auch ich gehöre zu den Menschen, die sich zum neuen Jahr gute Vorsätze machen. Nur laut sozialen Medien und Printmagazinen ist es ja jetzt „OUT“ sich Vorsätze zu machen. Vorsätze heißen jetzt „Ziele“, weil man sie so besser erreichen kann. Aha.

Dieses Jahr habe ich mir etwas besonderes vorgenommen: Einen ganzen Monat zuckerfrei. Was meine klaren Regeln für diese 31-Tage Challenge waren, wie ich mich währenddessen und danach gefühlt habe, davon erzähle ich euch in diesem Beitrag. Und am Ende folgen noch ein paar Tipps für diejenigen, die es auch mal versuchen wollen.

„Zuckerfrei“-Challenge

Was ein Monat ohne Naschereien ausmachen

Kurz vorab: Es war nicht ganz „zuckerfrei“. Ich habe hauptsächlich auf Süßigkeiten, Desserts und Knabberzeugs verzichtet. Also ein Monat lang kein Eis (und ich vergöttere Eis. Ich kann an einem Abend einen Liter alleine löffeln), keine Schokolade, keinen Nachtisch, kein Popcorn im Kino, keine Chips vorm Fernseher, keine Cookies auf der Arbeit und keine Gummibärchen. Nichts davon.

Und auch beim Kochen und bei Heißgetränken reduzierte ich Zucker und Honig stark.


Wie verlief der zuckerfreie Monat emotional?

Ich muss zugeben, dass die erste und die letzte Woche am schlimmsten waren.

In der ersten Woche hatte ich das Gefühl auf Entzug zu sein. Ich bin ein echter Sweet Tooth und ohne Nachtisch oder Schokolade ist für mich eine Mahlzeit nicht perfekt. Es war besonders schwer, da wir auf der Arbeit überall Süßigkeiten stehen haben. Ich erinnere mich ziemlich gut, dass ich mich an einem Samstag beim Wocheneinkauf schwach gefühlt habe und meine Hände und Knie zittrig wurden. Ich habe mir einen leicht gesüßten Tee kaufen müssen und es ging mir danach wieder besser.

Also wurde für die restliche Zeit aufgerüstet: Joghurt, Obst und Nüsse wurden auf Vorrat gekauft.

Nach der ersten Woche hatte ich den Eindruck, dass jede Obstsorte noch intensiver schmeckte. Als ich während einer Mittagspause Weintrauben aß, zogen sich die Innenseiten meines Mundes zusammen, weil es so süß und saftig schmeckte.

Und so ging es weiter: Ich schaute immer weniger mit neidischen Blicken auf den Nachtisch meiner Freunde. Hatte kein Problem damit wenn jemand neben mir am Knabbern war, aber meist weil ich mit Gemüse-Sticks und meinen Lieblingsobstsorten ausgesorgt hatte.

In der letzten Woche wurde es dann wieder schlimmer: Weil ich wusste, dass es BALD wieder vorbei war. Weil die Süßigkeiten und anderen Knabbereien zum Greifen nah waren.

31-Tage ohne Knabbereien: Das Ergebnis

Naja, das Ende dieser Challenge habe ich von Anfang an kommen sehen: Ich habe so viel verzichtet, sodass ich richtig Heißhunger auf alles hatte. Ich schlug am 01. Februar schon beim Frühstück zu: Heiße Schokolade mit einer ordentlichen Portion Sahne. Dann gab es jede Schokolade nach der ich greifen konnte und zur Feier des Tages leckere Macarons und jede Menge Eis. Abends lag ich auf der Couch, hatte leichtes Bauchweh und war fertig mit der Welt.

Ehrlich gesagt, hat es mir deutlich weniger geschmeckt als erwartet. Die Schokolade schmeckte mehr nach Zucker als nach Kakao. Und auch das Eis war mir einfach zu süß. Ich merkte für mich selbst, dass sich in den 31 Tagen meine Geschmacksnerven sich verändert haben. Nach meiner kleiner Fressparty am Freitag habe ich festgestellt, dass ich mehr Lust auf natürliche und frische Geschmäcker habe: Ich habe wirklich Appetit auf Clementinen oder Lust auf Brokkoli mit feinen Gewürzen.

Und auch mental habe ich durch die „Zuckerfrei“-Challenge einen Unterschied bemerkt: Nach der ersten unruhigen Woche, wurde ich aktiver, produktiver und zeitgleich gelassener. Ich hatte diese Einstellung, dass wenn ich es schaffe auf Süßigkeiten zu verzichten, würde ich alles schaffen. Und so fühlte es sich auch an: Wenn ich schon auf Süßigkeiten verzichte, kann ich auch öfter gesünder kochen. Wenn ich schon auf Süßigkeiten verzichte, kann ich auch öfter zum Sport gehen. Wenn ich schon auf Süßigkeiten verzichte, kann ich auch noch schnell dieses und jenes erledigen. 

Zuckerfrei, und jetzt?

Für mich ist es definitiv kein dauerhafter Lebensstil, dafür bin ich zu sehr Genussmensch, der es sich auch ab und zu (und gerne öfter) gönnen möchte. Aber ich möchte in Zukunft bewusster zugreifen: Bessere, Fairtrade-Schokolade oder kleinere Portionen, die auch wirklich glücklich machen und an denen man sich nicht übersättigt.

Was mir besonders gut an diesen Monat getan hat, war für mich selbst Willensstärke zu beweisen. Und Durchhaltevermögen. Was es für mich aber auf keinen Fall war, war eine Diät. Denn hätte ich es aufs Gewicht abgezielt, wäre ich ziemlich enttäuscht gewesen, denn es hat sich kaum etwas bewegt. Nur das Körpergefühl an sich hat sich durch die Challenge und in Kombination mit Sport viel getan.

Würde ich es wieder tun? Ja, bestimmt. Wahrscheinlich nicht so bald wieder, aber ich kann mir ziemlich gut vorstellen, dass ich es wieder mache. Sozusagen als „Kick off“, wenn ich mal ein Motivationstief habe oder nach zu vielen Fressgelagere zu Weihnachten.

Was der Verzicht mit dem Körper macht


„Zuckerfrei“-Challenge

5 Tipps, um auf Naschereien zu verzichten

Ich bin kein geduldiger Mensch und daher hat es mich auch sehr viel Überwindungskraft gekostet, um diese Challenge durch zu ziehen. Daher wollt ich euch meine 5 Tipps mitgeben, wie ich es geschafft habe 31 Tage auf Süßigkeiten, Knabberzeugs, Nachtisch und Eis zu verzichten:

1. Kündige die Challenge an!

Es ist deutlich schwieriger etwas allein zu schaffen und oft kommt es vor, dass man sich selbst betrügt, hier und da ein Auge zudrückt oder auch mal beide Augen. Ich habe daher meinem Freund und einigen Freunden von meinem Vorhaben erzählt und sie dadurch zu Komplizen gemacht. So kam es nicht selten vor, dass mein Freund oder eine gute Freundin mal genauer hingeschaut haben oder nachgefragt haben, ob so ein Grießpudding denn nicht doch unter „Dessert“ fällt statt Joghurt.

2. Partner in crime

Geteiltes Leid ist halbes Leid heißt doch das Sprichwort. Und auch hier hat es sehr gut gepasst. Meine Partnerin war meine Mitbewohnerin, die zwar nicht zu 100% zuckerfrei mitgemacht hat, aber sehr stark reduziert hat. Das hat unheimlich geholfen, da sie an gemeinsamen Fernsehabenden nicht zur Schokolade griff oder nur naschte, wenn ich mal nicht hinschaute. Dadurch fiel es mir deutlich leichter, weil mir nicht ständig vor Augen geführt wurde, was sich alles Süßigkeiten-Vorräten bei uns in der Wohnung befanden.

3. Ablenkungen

An Filmabenden oder allgemein vorm Fernseher greife ich meist zu Knabberzeug, weil meine Hände unruhig sind oder mir leicht langweilig wird. Daher habe ich vergangenen Monat mit dem Stricken angefangen: Meine Hände sind durchweg beschäftigt und ich hätte gar keine freie Hand, um zu Naschereien zu greifen. Was sonst auch gut funktioniert hat ist die Nägel nebenbei zu lackieren. Einfach die Hände mit einer unkomplizierten Tätigkeit beschäftigen. Klappt natürlich nicht unbedingt im Kino.

4. Für Alternativen sorgen

Manchmal nasche ich auch vor Langeweile. Oder weil ich nachdenken muss und mich das Kauen entspannt. Besonders bei der Arbeit greife ich zu Schokolade, weil ich vor dem Bildschirm arbeite und mich das irgendwie beruhigt etwas nebenher zu knabbern. Was bei mir geholfen hat, war es für Alternativen zu sorgen: Möhren in praktische Sticks geschnitten, gewaschene Weintrauben oder mehrere Clementinen, die ich alle geschält und in eine Schale gelegt habe. Obwohl ich bewusst vorher viel seltener zu Obst und Gemüse gegriffen habe, konnte ich durch die vorgesorgten Alternativen meinen Heißhunger stillen und mich beschäftigen. Und eine gute Portion Vitamine gab es sogar noch obendrauf!

5. Eine Belohnung setzen

Nichts ist schöner als am Ende der Zielgeraden einen kleinen Pokal aufblitzen zu sehen: Mir hat es unheimlich geholfen mir eine Belohnung auszusuchen für die es sich zu „arbeiten“ lohnt. Wenn mich der Heißhunger überkam, habe ich mich immer wieder gefragt, ob sich das lohnt? Einen ollen Keks im Tausch dafür? Komplett darauf zu verzichten nur aufgrund eines schwachen Momentes?

Am besten vielleicht sogar noch die Belohnung als Bild ausdrucken und irgendwo in der Küche oder vor die Nasch-Schublade aufzuhängen.


Seid ihr auch solche Naschkatzen?

Auf was könntet ihr niemals verzichten? Chips, Gummibärchen oder Schokolade?

Post Author
Miu Nguyen
Mein Name ist Miu, bin 27 und lebe in Konstanz. Ich liebe es die vielseitigen Facetten des Lebens zu entdecken - dabei liebe ich das Reisen, Beauty und die schönen Seiten des Alltags!

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