Die perfekte Balance

Irgendwie habe ich in letzter Zeit das Gefühl, ich hätte in der großen, weiten, schnellen Welt des Internets bereits längst den Anschluss verloren. Ich kann mich noch daran erinnern, als ich jeden Morgen zum Frühstück meine Liste meiner Lieblingsblogs durchgelesen und kommentiert, im Bus alle Social Media-Kanäle abgecheckt habe und jede Limited Edition, (fast) jeden neusten Viral Trend bereits kannte bevor es so richtig losging. 

Zugegeben habe ich mich selbst relativ stark von der Bloggerwelt zurückgezogen. Ich habe mich kaum noch informiert über die neusten Trends, zum Frühstück schaue ich mir die Nachrichten an oder halb verschlafen noch irgendwelche Youtube-Videos. Es lag aber auch einfach daran, dass ich mich selbst vom Konsum abhalten wollte: Durch das Lesen von Produktreviews und neusten Trends, griff ich oftmals tiefer in die Tasche als für den Monat geplant war oder als dass ich es wirklich brauchte. Als ich vor meiner Reise mein Zimmer zur Zwischenmiete freiräumen wollte, habe ich erst gemerkt wie viel ich an Kosmetik, Pflege und Bastelzeugs angesammelt hatte, die ich kaum verwende und in den Untiefen meiner Schubladen vor sich hinlümmelten. 

So viel Zeugs braucht einfach kein Mensch. 

Und so viel Zeugs, Ramsch und Krams erdrückt.


Aber auf Instagram und Twitter war ich trotzdem immer noch irgendwie auf dem neusten Stand darüber, was in der Blogosphäre aktuell war und was meine liebsten Blogger so trieben.

Und dann kam der bekloppte neue Algorithmus von Instagram.


Versteht mich nicht falsch, es geht mir nicht um die Zahlen. Denn genau genommen erreichen meine Bilder momentan mehr "Gefällt mir's" als sie es mit dem alten Algorithmus je geschafft haben - auch ohne Hashtags und Like-Jagd. Es geht mir um die Aktualität, um die "Nähe" zu den Leuten hinter den Profilen: Man hatte so ziemlich das Gefühl den Alltag mit anderen Menschen zu erleben - Morgens gemeinsam zu frühstücken, sich für den Tag zurecht zu machen oder den allgemeinen bösen Alltag mit wunderschönen Bildern zu überstehen! Es war für mich die perfekte Alternative zu Facebook - ein paar Male habe ich mich sogar spontan mit anderen Instagramern getroffen, weil wir im Feed gesehen haben, dass wir gerade zur selben Zeit in der gleichen Stadt unterwegs waren. Und das fehlt mir unheimlich. 

In den letzten Wochen habe ich einfach komplett die Lust an Instagram verloren, obwohl ich mir immer noch vornehme jeden Tag etwas zu unternehmen und zumindest ein "fotoreifes Ereignis" festzuhalten, ist das Bedürfnis die Bilder tatsächlich noch auf Instagram zu veröffentlichen einfach nicht mehr da. 

Eigentlich sollte dieser Beitrag definitiv nicht zu einem dieser Anti-Algorithmus-auf-Insta-Beiträgen werden, aber ich glaube in meinem Gedankenstrudel auf der Suche nach dem Grund meiner demotivierten Phase ist das mit eines der Knackpunkte gewesen. Andererseits war ich in den letzten Wochen relativ viel in verschiedene Projekte an der Hochschule eingespannt, wodurch mir auch die Zeit fehlte. 

Die Bloggerszene, der Hype um die Social Media-Kanäle haben sich in den letzten Jahren einfach verändert, dennoch hielt mich das Schreiben an sich, das kreative Treiben um das Bloggen herum mich in gewisser Weise in Balance - ein Ventil zum Abschalten, zum Austoben der kreativen Ader und ein Pool mit Gleichgesinnten. Und diese schöne Balance will ich einfach so gerne wieder für mich finden. 

© Andrei Meline Photography | Facebook | Instagram 

In den letzten zwei Wochen habe ich irgendwann das Gefühl gehabt, dass ich nur noch für die Projekte gelebt habe. Natürlich macht es Spaß mich in die Projekte reinzusteigern und mein Bestes zu geben, aber hin und wieder brauche ich auch eine gewisse Zeit, die ich für mich verbringe und die ich in Dinge investiere, die mir einfach gut tun. Den Kontakt zu meinen Freunden habe ich auf das Mindeste senken müssen, ich habe während meines gesamten Studiums noch nie so wenig mit meiner Familie telefoniert und selten hatte ich so gar kein Überblick über mein Leben - im Endeffekt hat das Alles in absoluter Unzufriedenheit mit mir selbst geendet [und einem gesamten Tag schmollend im Bett rumliegen]


Dem möchte ich wieder entgegenwirken!
Ich weiß noch nicht genau wie ich die perfekte Balance zwischen alltäglichen Aufgaben und Miu-Time finden werde, aber so wie ich mich in den letzten zwei Wochen angestellt habe - so geht es nicht weiter.


Aber allein für mich diesem Gedankenstrudel zu folgen und Worte dafür zu finden,
hat mich ein wenig leichter gemacht.


Wie findet ihr euch in der Blogosphäre zurecht im Vergleich zu "damals"?
Was tut ihr wenn ihr das Gefühl habt den Überblick zu verlieren?




Kommentare:

  1. Mh bei mir kam bisher noch gar nie das Problem auf, dass ich den Überblick verliere. Aber ich bin neben dem Social Media und dem Blog halt einfach auch der langweiligste Mensch weit und breit und habe so gut wie keine Termine :3 Bloggen ist für mich nach wie vor ein Hobby, ich schreibe gerne und schaue mir andere Blogs an, aber ich fühle mich dadurch nie unter Druck gesetzt, deshalb ist es schwer mich, mich in Blogger hineinzuversetzen, für die beides immer etwas viel wird. Ich hoffe du findest deine Balance zwischen dem Bloggen, Social Media und deinem privaten Leben, das wichtigste ist dabei doch, dass es für dich stimmt und wenn du dabei halt die neusten LEs verpasst, ist das doch egal. Es werden noch 100000 weitere kommen in den nächsten Jahren.
    Das mit Instagram ist mir bisher noch gar nie so wirklich aufgefallen. Ich achte mich ehrlich gesagt selten darauf, wann jemand ein Bild hochgeladen hat, sondern erfreue mich eher an den tollen Fotos :)

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  2. So erging es mir auch. Aber die Zeiten ändern sich immer wieder und man muss sich ja nicht bei allem anpassen :)
    Ich finde man sollte immer Spaß haben, bei dem was man macht. Es ist immer ein guter Anfang, wenn man merkt, dass man den Überblick verliert, sich einfach mal hinsetzt und schaut wie man was vielleicht ändern könnte und seine Prioritäten neu setzt :)

    Alles Liebe, Chi Chi
    www.ccl-cherryblossom.blogspot.de

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  3. Hach ja, mir geht es im Moment ähnlich. Ich "erwische" mich ab und zu dabei, dass ich tagelang abstinent lebe.

    Twitter ist mein einziger Social Channel, auf dem ich wirklich täglich rumhänge, Instagram und FB haben in den letzten Wochen/Monaten den Reiz für mich weitgehend verloren. FB nutze ich fast nur noch dazu, um meine Blogartikel zu teilen, ansonsten kann ich mich kaum noch dazu durchringen den Feed durchzuscrollen.

    Auf Instagram poste ich nur noch selten Bilder, weil ich mir vorkomme wie der letzte Horst, wenn ich die ganzen gestylten Fotos sehe und dann denke "Wenn du da jetzt nur so einen Schnappschuss postest, wirkt das total hässlich zwischen all dem hübschen Zeug."
    Ich weiß, man sollte sich nicht mit anderen vergleichen, aber trotzdem komme ich mir blöd vor, wenn ich mein "normales Leben" auf Instagram teile, während gefühlt "alle anderen" nur noch stylishste Fotos posten.

    Du hast recht: Es hat sich verändert, was vermutlich nicht nur an den neuen Algorithmen liegt, auch wenn die sicher ihren Teil dazu beigetragen haben. Ich vermisse auch manchmal "die gute alte Zeit", in der die Social Media Blase noch nicht so groß war und es alles noch keine so "wichtige" Rolle gespielt hat :)

    Hin und wieder schaue ich mal rein, weil ich den Kontakt zu einigen liebgewonnenen Menschen nicht abreißen lassen will. Das ist aber auch der einzige Grund – alles andere bockt schlicht und ergreifend kaum mehr.

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  4. Ich finde, dass Balance das A und O ist. Nicht dass ich drauf hätte, in Balance zu leben XD Diese Unzufriedenheit, die sich dann einstellt, kenne ich auch gut. Für mich funktioniert es dann am besten, kurz inne zu halten bzw. die Dinge eine weile langsam angehen zu lassen. Meist renkt sich dann alles von selbst wieder ein...
    Wenn sich Dinge ändern, die man vorher gut gefunden hat, ist es nicht so einfach, sich damit abzufinden. Ich finde es aber gut, dass sich alles immerzu verändert. So wird es nie langweilig *hehe*

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  5. Sehr schön geschrieben. Ich verstehe sehr gut was du meinst. Das Gefühl den Anschluss zu verlieren habe ich aber nicht nur online. Das ist teilweise wirklich frustrierend für mich. Die Bilder von Dir sind übrigens super schön!

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  6. Gar nicht mitbekommen dass Instagram was verändert hat .....

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