#ZukunftfürMartin | change.org/martin

Wir leben unser Leben unter der Vorstellung alles selbst in der Hand zu haben, als könne wir unser Schicksal selber formen, als wäre es uns möglich jeden Schritt selbst zu wählen. 
Was wir selbst nie betrachten sind die Rechte, unser Schicksal und der vorgepflasterte Weg, der uns in die Wiege gelegt wurde - unser Leben ist zu einem großen Teil durch unsere Geburt vorbestimmt: Wer unsere Eltern sind, in welcher Zeit wir geboren werden, aber wohl auch manchmal das Entscheidenste: Unser Geburtsort. 

Ich denke, dass die meisten von uns, die diesen Eintrag lesen, ein ähnlich gütiges Schicksal erteilt bekommen haben: Wir hatten das Glück in einem der reichen Staaten der Welt aufzuwachsen, Bildung, das tägliche Brot, ein Dach über dem Kopf waren für uns keine Fragen, auf deren Antwort wir jeden Tag suchen mussten. 

Doch nicht alle haben dieses Glück und viele Kinder kämpfen jeden Tag um ihr Schicksal. Nicht nur weit weg von uns, sondern auch hier in Deutschland, in Oldenburg kämpft Martin Qassemi jeden Tag mit seiner Familie um sein Leben in Deutschland, weil ihm das Geburtsrecht "Deutsch zu sein" nicht in die Wiege gelegt worden ist. Obwohl er das beste Beispiel für gelungene Integration darstellt, eine deutsche Familie hat und es sogar geschafft hat von der Hauptschule aus dieses Jahr sein Abitur anzutreten, stellen sich die Behörden quer und wollen ihm seine Einbürgerung verweigern:

"Martin ist ein Flüchtling aus Afghanistan. Seit fast sieben Jahren lebt er in Deutschland. Er kam als Waise hierher und fand bei uns in der Familie ein neues Zuhause und ein neues Leben.

Martin gehört zur Minderheit der Hazara, die von den Taliban verfolgt und unterdrückt werden. Er verlor seine gesamte Familie bei einem Massaker in seinem Dorf, als er gerade sechs Jahre alt war. Danach lebte er bis zu seinem zwölften Lebensjahr bei einem Onkel, bei dem er für seinen Lebensunterhalt hart arbeiten musste. Doch auch dieser geriet ins Visier der Taliban. Die Situation war so bedrohlich, dass Martin seine Heimat verlassen musste.

Vier Jahre war Martin allein auf der Flucht, war als „Illegaler” in vielen Ländern inhaftiert. Als er 15 Jahre alt war, wurde er in Deutschland aufgegriffen und für vier Monate nach Hannover-Langenhagen ins Gefängnis gebracht. Dort wurde er als 15jähriger ohne Anwalt und ohne Vormund mit erwachsenen Straftätern inhaftiert. Die Behörden versuchten ihn in dieser Zeit zwei Mal (!) abzuschieben. Doch die Piloten weigerten sich, den völlig panischen und weinenden Jugendlichen mitzunehmen.

Erst ein auch in Langenhagen einsitzender Drogendealer sammelte unter den Gefangenen Geld für einen Anwalt, der Martin schließlich aus dem Gefängnis holte.

Seit fast sieben Jahren lebt Martin nun in unserer Familie. Endlich konnte er zum ersten Mal in seinem Leben eine Schule besuchen und Freundschaften schließen. Mit einem unglaublichen Ehrgeiz saugte er alles Neue auf. Er lernte sehr gut Deutsch und ist dieses Jahr zum Abitur angetreten.

Im April 2014 hat Martin bei der Stadt Oldenburg einen Antrag auf Einbürgerung gestellt. Doch die deutsche Staatsangehörigkeit wird ihm bis heute verweigert! Denn Martin kann nicht beweisen, dass „Qassemi” sein richtiger Nachname ist. Das einzige offizielle Dokument, das er je bessen hat, ist eine Abstammungsurkunde, in nur sein Vorname und die Namen seiner Eltern und Großeltern auftauchen. Das ist bei afghanischen Urkunden nicht unüblich.

Die Behörde machte ihm daraufhin einen irrwitzigen Vorschlag: Er solle in seinen Geburtsort in Afghanistan reisen, um nach Bekannten zu suchen, die seine Identität bestätigen. Dabei enthält der für Martin ausgestellte Flüchtlingsausweis den Vermerk: „berechtigt nicht zur Einreise nach Afghanistan.” Auch der aktuelle Vorschlag der Behörde, Martin solle sich einen Anwalt in Kabul suchen, ist völlig unrealistisch. Denn auch ein Anwalt kann keine Dokumente auftreiben, die es nie gegeben hat. Dabei ist die Richtigkeit seines Nachnames bisher nie angezweifelt worden.

Wir haben Martin tief in unser Herz geschlossen und wollen, dass ihm in der Zukunft alle Chancen offen stehen. Doch die Stadt Oldenburg stellt sich seinen Träumen in den Weg. Denn sie beharrt noch immer auf diesen Identitätsnachweis. Dabei könnte sie von dem im Staatsbürgerschaftsgesetz festgelegten Ermessensspielraum Gebrauch machen!

Die Entscheidung gegen eine Einbürgerung hat für Martin ganz konkrete Folgen: Er wird ohne Staatsangehörigkeit leben müssen. Seinen Wunsch, eine Ausbildung bei der Polizei zu beginnen, müsste er begraben. Er könnte z.B. auch nie ein Auslandssemester machen, nie heiraten und kein Haus bauen - all’ die Dinge, die für uns selbstverständlich sind.

Martin hat sich hier perfekt integriert, er hat hier Freunde und eine Familie und - das ist das wichtigste - er fühlt sich als Deutscher und möchte auch offiziell zu dieser Gesellschaft gehören und hier anerkannt sein. Er möchte endlich das Gefühl haben, irgendwo hinzugehören und endgültig angekommen und akzeptiert zu sein."

 - Ruth Bensmail, Martins Adoptivmutter (Quelle)



Martin mit seinem Bruder
Die Menschlichkeit unserer Demokratie wird unter dem Vorwand der Bürokratie weggekehrt und man verschließt sich vor dem Schicksal eines jungen Mannes, der in seinem Leben die Hilfsbereitschaft eines kriminellen Drogendealers erfuhr und die hilfende Hand von einem "guten deutschen Bürger" hinter dem Schreibtisch ausgeschlagen bekommt.

Seine Familie hat nun auf change.org/martin zu einer Petition aufgerufen, um Martins Zukunft zu sichern und ihm sein Leben zu zusprechen, dass er sich verdient hat - im Kreise seiner Familie und Freunde in Deutschland. Wir hoffen alle inständig, dass die Landesregierung in Niedersachsen durch die vielen Unterschriften und Kommentare einsieht, dass Martin hierhin gehört und von dem Ermessensspielraum Gebrauch machen wird.

Bitte nehmt euch zwei Minuten um die Petition zu unterschreiben, denn Martin Qassemi braucht unsere Hilfe! 


Kommentare:

  1. Oh, das ist aber traurig :( Ich kann gar nicht verstehen, warum Behörden sich in so einem Fall quer stellen!
    Find ich gut, dass du auf deinem Blog darüber berichtest :) Unterschrieben habe ich auch, hoffentlich bringt es was.

    Viele Grüße!

    AntwortenLöschen
  2. Hab gleich unterschrieben!
    Diese ganze Bürokratie hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun!

    AntwortenLöschen
  3. Direkt unterschrieben. Das macht mich richtig wütend - da beschwert man sich, dass zu viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen und sie sich anscheinend kaum integrieren und dann schiebt man jemanden ab, der ein Musterbeispiel für perfekte Integration darstellt.

    Danke für's darauf aufmerksam machen!

    AntwortenLöschen